Ohne Kurswechsel wird Altersarmut zum MassenphänomenDie Alterssicherung steckt in der Krise. Veränderte Erwerbsbiografien, anhaltende Arbeitslosigkeit, expandierender Niedriglohnsektor und eine älter werdende Gesellschaft sind große Herausforderungen, auf die bisher nur unzureichend geantwortet wurde.
Die "Rentenreformen" der letzten Jahre haben dazu geführt, dass die Menschen im Alter immer schlechter versorgt und die Beschäftigten finanziell stärker belastet werden. Die Antworten der Politik auf diese Probleme sind völlig unzureichend: Rente mit 67, Leistungskürzungen und private Vorsorgemaßnahmen bürden den Menschen zusätzliche Kosten auf. Damit werden die Probleme verschärft. Weder die betriebliche Altersversorgung noch die Privatvorsorge sind in der Lage, diese Sicherungslücken zu schließen. Die Lebensstandardsicherung im Alter rückt für viele in weite Ferne und Altersarmut droht zum Massenphänomen zu werden.
Mit der "Initiative für einen neuen Generationenvertrag - Neuaufbau einer solidarischen Alterssicherung" will die IG Metall eine neue solidarische und verlässliche Alterssicherung aufbauen, die Altersarmut und Ungerechtigkeiten verhindert.
Das Fünf-Punkte-Programm der IG Metall:
1. Eine solidarische Erwerbstätigenversicherung für alle Die gesetzliche Rentenversicherung soll zu einer solidarischen Erwerbstätigenversicherung fortentwickelt und auf alle Erwerbstätigen ausgedehnt werden. Deshalb fordert die IG Metall, dass - Selbstständige, Freiberufler, Beamte, Parlamentarier und andere Erwerbstätigengruppen schrittweise einbezogen werden,
- Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte zur Finanzierung beitragen,
- die Renten am beitragspflichtigen Einkommen bemessen werden.
2. Den Lebensstandard sichern und Armut vermeiden Die gesetzliche Rentenversicherung bleibt die wichtigste Säule der Alterssicherung. Sie muss den Lebensstandard der Beschäftigten sichern und an die allgemeine Einkommensentwicklung in der Gesellschaft angekoppelt werden. Menschen, die arbeitslos sind oder ein niedriges Einkommen haben, müssen vor Armut im Alter geschützt werden. Deshalb fordert die IG Metall, dass - die Renten wieder an die allgemeine Einkommensentwicklung angekoppelt werden,
- die Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente abgeschafft werden,
- die Langzeitarbeitslosen höhere Beitragsleistungen erhalten,
- niedrige Rentenversicherungsbeiträge aus Steuermitteln (Rente nach Mindesteinkommen) aufgewertet werden
- und die Grundsicherung im Alter angehoben wird.
3. Betriebsrenten für alle Die betrieblichen Altersversorgung wird auch in Zukunft die Leistungen der Erwerbstätigenversicherung ergänzen. Sie soll zu einem System ausgebaut werden, das alle Beschäftigten erfasst. Deshalb fordert die IG Metall, dass - die Arbeitgeber verpflichtet werden, den Beschäftigen eine betriebliche Altersversorgung anzubieten,
- oder sich an einer Privatvorsorge der Beschäftigten zu beteiligen, wen das Unternehmen keine betriebliche Altersversorgung einrichten kann.
4. Flexible Altersübergänge ermöglichen und auf "Rente mit 67" verzichten Die "Rente mit 67" widerspricht der betrieblichen Realität und den Bedürfnissen der Menschen. Die Beschäftigten sollen selbst wählen können, wann sie aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Dafür müssen sie finanziell abgesichert werden. Durch die Senkung des Rentenniveaus und die Abschläge wird dies massiv erschwert. Deshalb fordert die IG Metall, dass - die öffentlichen Förderung der Altersteilzeit fortgeführt
- der Zugang zur Erwerbsminderungsrente erleichtet
- auf die "Rente mit 67" verzichtet wird.
5. Guter Lohn für gute Rente Einkommen, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit beeinflussen die Alterssicherung entscheidend. Deshalb brauchen wir einen umfassenden Sozialversicherungsschutz für möglichst alle Beschäftigungsverhältnisse und faire Einkommen. Die IG Metall fordert, dass - alle Beschäftigungsverhältnisse sozialversicherungspflichtig werden,
- Mindestlöhne flächendeckend eingeführt werden,
- das Volkseinkommen gerechter verteilt wird.
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