Stahltarifrunde 2012: Massiver Druck brachte Erfolg

3,8 Prozent Plus

Es gibt 3,8 Prozent mehr Geld und eine Einmalzahlung von 160,- Euro. Die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung gilt ab sofort für alle Azubis. Der Tarifanspruch auf Altersteilzeit bleibt auch in Zukunft sicher und der Tarifvertrag Leiharbeit wird fortgeführt. 

„Wir wollen mehr Geld, da sonst der Hammer fällt“ oder „Unbefristete Übernahme“ forderten rund 2200 Stahlbeschäftigten, die sich am 23. Januar vor dem Verhandlungslokal in Saarbücken trafen. Die Beschäftigten waren aus dem ganzen Saarland sowie aus Kehl und Wetzlar angereist, um mit einer beeindruckenden Kundgebung Druck auf die Arbeitgeber zu machen. Und die gemeinsame Stärke brachte den Erfolg schon in der ersten Verhandlung in der Stahltarifrunde 2012. IG Metall und Arbeitgeber des saarländischen Stahlhüttenverbands einigten sich. Die Tarifkommission tagte gleich am nächsten Morgen und stimmte dem Verhandlungsergebnis einstimmig zu. 

DAS VERHANDLUNGSERGEBNIS IN KÜRZE 

3,8 Prozent plus 

Ab 1. März gibt es 3,8 Prozent mehr Entgelt und Ausbildungsvergütungen. Zusätzlich gibt es eine Einmalzahlung von 160,- Euro, die Auszubildenden bekommen 60,- Euro. Der Tarifvertrag läuft bis 31. Mai 2013.

Unbefristete Übernahme sofort

Die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung ist tariflich festgeschrieben und gilt ab 1. März 2012 für alle Auszubildenden. 

Sichere Altersteilzeit 

Der tarifliche Anspruch auf Altersteilzeit wird bis 31. Mai 2013 fortgeführt. Die Betriebsparteien kümmern sich um weitere wertgleiche Optionen für den Rentenübergang. 

Leiharbeit weiterhin begrenzen 

Die Leiharbeit wird auch weiterhin begrenzt und vermieden. Der Tarifvertrag aus 2010 wird bis 31. Mai 2013 fortgeführt werden. 

Flugblatt zum Tarigergebnis:

Tarifkommission beschließt Forderungen für die Stahltarifrunde 2012

Ein sattes Plus ist Muss

Einstimmigkeit bei unseren Forderungen

Das fordern wir: 7 Prozent mehr Geld, unbefristete Übernahme nach der Ausbildung, Verbesserung des Tarifanspruchs auf Altersteilzeit und die Fortführung des Tarifvertrages Leiharbeit.

Am 15. Dezember trafen sich die Mitglieder der Tarifkommission der saarländischen Stahlindustrie in Saarbrücken. Die Kündigung des laufenden Entgelttarifvertrages wurde einstimmig beschlossen. Über die Forderungen für die anstehende Tarifrunde wurde intensiv beraten. Die Mitglieder der Tarifkommission berichteten dabei über die Situation in ihren Betrieben. 2011 war insgesamt ein gutes Jahr für die Stahlindustrie. Der Aufschwung nach der Wirtschaftskrise 2009 war gigantisch, so die einhellige Meinung. Eine Normalisierung und Abschwächung in einzelnen Bereichen war zum Jahresende unausweichlich. Jetzt sind die Arbeitnehmer dran. Die Tarifkommission beschloss einstimmig folgende Forderungen für die Tarifrunde 2012.

Sieben Prozent mehr Geld

Die Preise beim täglichen Einkauf, beim Benzin oder der Energie steigen ständig. Deshalb muss jetzt mehr Geld für die Beschäftigten und Auszubildenden her. Die Tarifkommission legte sich auf eine Forderung von sieben Prozent fest.

Unbefristete Übernahme

Junge Menschen brauchen eine sichere Zukunft in den Stahlbetrieben, die tariflich festgeschrieben ist. Die Tarifkommission fordert die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung.

Altersteilzeit verbessern

Insbesondere in der Stahlindustrie mit ihrer auch körperlich fordernden Arbeit ist es notwendig, auch in Zukunft flexibel aus dem Erwerbsleben auszusteigen, ohne dafür massiv schlechter gestellt zu werden. Die Tarifkommission plädierte deshalb für eine Verbesserung des tariflichen Anspruchs auf Altersteilzeit.

Leiharbeit weiterhin begrenzen

Die Tarifkommission will die Leiharbeit begrenzen und vermeiden, deshalb muss der Tarifvertrag aus 2010 fortgeführt werden.

 

Flugblatt zur Stahltarifrunde:


IG Metall Neunkirchen bedankt sich für Engagement in 2011

Schöne Feiertage

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Jahr 2011 geht langsam zu Ende. Wir danken unseren Betriebsräten, unseren Vertrauensleuten und allen Mitgliedern, die sich 2011 im Betrieb und der Gesellschaft für unsere Ziele eingesetzt haben.

Wir wünschen Euch und Euren Familien schöne Weihnachtsfeiertage und ein Gutes Neues Jahr.

Eure IG Metall Neunkirchen

Die Delegierten der IG Metall Neunkirchen werden gewählt

Organisationswahl

Anfang 2012 wählen die Mitglieder der IG Metall Neunkirchen ihre Delegierten für die konstituierende Delegiertenversammlung, die am Samstag, dem 31. März 2012 stattfindet.

Die Delegiertenversammlung ist das Parlament der Verwaltungsstelle und entscheidet über alle örtlichen Gewerkschaftsangelegenheiten. Die Delegiertenversammlung wählt die Bevollmächtigten und den Kassierer sowie den Ortsvorstand, der die Verwaltungsstelle leitet und einmal im Monat tagt. Die Mitglieder der Tarifkommissionen werden ebenfalls durch die Delegiertenversammlung gewählt.

Die Organisationswahl findet auf betrieblichen Mitgliederversammlungen statt. Auch die Ausschüsse der Personengruppen, wie Frauen, Senioren oder Erwerbslose wählen ihre Delegierten. Alle Mitglieder werden zu den Mitgliederversammlungen jeweils persönlich eingeladen.

Jubilarehrung der IG Metall Neunkirchen

311 Jubilare wurden für ihre Treue geehrt

Beglückwünschung der 60jährigen Jubilare

Am Freitag, dem 28. Oktober 2011, ehrte die IG Metall Neunkirchen ihre 311 Jubilare für die langjährige Treue zur Gewerkschaft mit einer Jubilarfeier im Kulturhaus Wiebelskirchen.

„Ein herzliches Dankschön geht an alle Kolleginnen und Kollegen, die in langen Jahren treu zu unserer Gewerkschaft standen. Wir beglückwünschen insgesamt 311 Jubilare, die seit 60, 50, 40 und 25 Jahren Mitglied in unserer IG Metall sind“, so Jörg Caspar, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen. Auch der Gewerkschaftssekretär Simon Geib betont die Wertschätzung der Jubilarehrung für seine Gewerkschaft: „Es ist immer ein besonderes Ereignis die älteren Kolleginnen und Kollegen zu treffen, die seit Jahrzehnten die IG Metall mit ihrer Erfahrung und Kompetenz mitgeprägt haben.“

Als Ehrengäste wurden Eugen Roth, Vorsitzender des DGB Saar und Rolf Altpeter, Ortsvorsteher von Wiebelskirchen begrüßt. (Bild oben: Jörg Caspar - 2. von links, Eugen Roth - Bildmitte, Rolf Altpeter - rechts).

Jörg Caspar ging in seiner Jubilarrede vor allem auf den einwöchigen Gewerkschaftstag der IG Metall ein, der Mitte Oktober in Karlsruhe stattfand. Mit der Jugend begann seine Ansprache: „Mit ihren regionalen und bundesweiten Aktionstagen engagiert sich unsere Jugend für eine sichere Zukunftsperspektive. In den kommenden Tarifrunden wird die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung mit Sicherheit ein Thema sein.“

Das Thema Leiharbeit kritisierte Jörg Caspar vehement: „Die Leiharbeit ist ein Skandal. Leiharbeitnehmer sind Beschäftigte zweiter, ja dritter Klasse. Der Kampf gegen Leiharbeit und für menschenwürdige Beschäftigung wird auch weiterhin ein Schwerpunkt in der IG Metall sein. Normale, unbefristete Arbeitsverträge müssen wieder die Regel werden.“

Auch die „Rente mit 67“ stößt nach wie vor auf massiven Widerspruch der IG Metall. „Die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder und der Bevölkerung ist nach wie vor gegen die Rente mit 67. Die wenigsten Beschäftigten gehen regulär mit 65 in Rente, weil sie vorher schon aus gesundheitlichen Gründen überhaupt nicht mehr können. Außerdem stellen die Betriebe kaum ältere Menschen ein. Bei den Einstellungen in regionalen Betrieben wurden 2011 gerade mal 6,9 Prozent der über 50jährigen und älter eingestellt. Die IG Metall hat auf dem Gewerkschaftstag beschlossen eine Kampagne für flexible Altersübergänge zu starten. Denn wir stehen dazu: Die Rente mit 67 muss wieder abgeschafft werden“, so Jörg Caspar.

Jörg Caspar lobte die rund 200 Betriebsräte und die 380 Vertrauensleute der IG Metall mit den Worten: „Sie leisten Tag für Tag eine hervorragende Arbeit und holen den Beschäftigten die Kohlen aus dem Feuer. Deshalb müssen die betriebliche Mitsprache und Mitbestimmung in Zukunft weiter gestärkt und ausgebaut werden.“

Auch auf die aktuelle Finanzkrise in Europa war ein Redeteil: „Der aktuelle Aufschwung steht auf der Kippe. Die Wirtschaftsprognosen wurden schon nach unten korrigiert. Die Finanzmärkte sind nicht stabil. Die Gefahr, dass sich dies auf unsere Branchen auswirkt ist sehr stark. Was wir brauchen ist ein sofortigen Kurswechsel in der Finanz-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik der EU-Kommission und der deutschen Bundesregierung. Die Finanzkrise ist nicht vom Himmel gefallen. Das Casino läuft trotz der katastrophalen Wirtschaftskrise in 2009 beständig weiter. Jahrzehntelange wurden die Finanzmärkte dereguliert. Die Einkommen von den Leistungsträgern der Gesellschaft wurden zu Gunsten der Vermögenden und Reichen umverteilt. Die IG Metall will ein soziales und demokratisches Europa der Bürgerinnen und Bürger und nicht ein Europa der Banken und Konzerne. Daher sind wir mit den Menschen und Gewerkschaften in Europa solidarisch, die sich friedlich und gewaltlos gegen diese unsoziale und ökonomisch falsche Politik zur Wehr setzen“, so Jörg Caspar.

Die Jubilarrede von Jörg Caspar fand mit einem kurzen Geschichtsrückblick ihren Abschluss. Danach wurden die Jubilare persönlich beglückwünscht. Mit musikalischer Begleitung und einem Abendessen ging die diesjährige Jubilarehrung der IG Metall zu Ende.

Nch ein Jubilardatum

IG Metall Neunkirchen feiert 50.Geburtstag

Rudi Tschirner an seinem 70. Geburtstag

Die IG Metall Neunkirchen feiert ihren 50. Geburtstag. 1961 entstand im Rahmen einer Neuorganisation der Gewerkschaft die eigenständige Verwaltungsstelle Neunkirchen.

Jörg Caspar, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen, erläutert die Geschichtsereignisse vor 50 Jahren: „Vier IG Metall Verwaltungsstellen wurden 1961 im Saarland gebildet, die bis heute bestehen. Bis zur Neuorganisation der IG Metall im Saarland gab es in Saarbrücken eine Verwaltungsstelle mit den Zahlstellen Völklingen, Homburg, Neunkirchen, Dillingen und St. Ingbert. Der damalige Frankfurter Bezirksleiter Hans Eick war stets ein Verfechter dezentraler Verantwortlichkeiten. Nach eingehender Diskussion beschloss die Bezirksleitung dem Vorstand der IG Metall vorzuschlagen das Saarland in vier eigenständige Verwaltungsstellen neu zu gliedern. Am 19. Februar 1961 fand die erste ordentliche Vertreterversammlung der Verwaltungsstelle Neunkirchen im Volkshaus statt. Im Protokoll ist nachzulesen, dass die Versammlung Rudi Tschirner als 1. Bevollmächtigter und Kassierer gewählt wurde. In dieser Funktion wurde der Kollege Tschirner bis zu seiner Pensionierung 1974 jeweils wieder gewählt.“

Aktiv in klein- und mittelständischen Betrieben

Weiterbildung für Betriebsräte

Die gute Arbeit von Betriebsräten ist in Zeiten von Krisengespenstern, der Globalisierung und einem harten Wettbewerb mit entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens.

Doch kein Betrieb ist wie der Andere, die Herausforderungen und Arbeitsfelder der Betriebsräte sind jedoch oft identisch. Aber in klein- und mittelständischen Betrieben finden Betriebsräte oft ein schwierigeres Arbeitsfeld vor, als in großen, gut gewerkschaftlich organisierten Betrieben. Dass Betriebsräte ernst genommen werden und wie vom Betriebsverfassungsgesetz gefordert beteiligt werden, kann einen Kampf bedeuten. Vor allem dann, wenn Arbeitgeber noch immer meinen, nach Gutsherrenart im Betrieb wüten zu können. Mit Beginn eines Kooperations-Zuwachsprojektes im Jahr 2011 haben die Verwaltungsstellen Neunkirchen und Homburg-Saarpfalz die Weichen gestellt, um auch den Mitgliedern, Betriebsräten und Beschäftigten in kleineren Betrieben mehr Unterstützung zu bieten. Der Kollege Michael Knopp ist für die Erschließung und Betreuung in diesem Feld zuständig. „Das eine ist es, die Betriebsräte in ihrer täglichen Arbeit und bei Sitzungen mit Rat und Tat zu unterstützen“, so Michael Knopp. „Uns ist es jedoch auch sehr wichtig, dass die Betriebsräte sich austauschen, von ihren unterschiedlichen Erfahrungen profitieren können und sich gegenseitig unterstützen. Und sich sollen sich ruhig auch einmal den zeitweilig vorhandenen Frust von der Seele reden können“.

Deshalb wurde auch die Idee umgesetzt, diesen betrieblichen Interessensvertretern und Vertreterinnen ihr eigenes, branchenübergreifendes Forum zu schaffen. „Wir laden in regelmäßigen Abständen die IG Metall-Betriebsräte von betreuten Betrieben aus beiden Verwaltungsstellen zu einem gemeinsamen Aktiven-Treffen ein. Hier sind sie unter Ihresgleichen und können sich vernetzen, diskutieren, bekommen Input und können Handlungsmöglichkeiten für ihren Betrieb erkennen.“ Berührungsängste zwischen Betriebsräten aus dem Kfz-Handwerk, der holz- und kunststoffverarbeitenden Industrie, dem Elektrohandwerk oder der Metall- und Elektroindustrie gibt es nicht. Nach vier bisher stattgefundenen Treffen ist die Gruppe zusammengewachsen, und es kommen immer wieder neue Gesichter dazu.

Im Dezember wird das nächste Treffen stattfinden, welches sich schwerpunktmäßig mit der Bildung der Betriebsräte befassen wird. „Wir möchten dann den Betriebsräten die Möglichkeiten der Betriebsratsweiterbildung bei der IG Metall in seiner Vielfalt darstellen und eine systematische Bildungsplanung für das Jahr 2012 anregen“, so Simon Geib von der IG Metall Neunkirchen.

Aktuell treffen sich im Aktiven-Kreis Metallerinnen und Metaller unter anderem vom Autohaus Reinhard, CS Schmalmöbel, EMS Schwanenmühle, Junker & Partner, Kuhn & Möhrlein, Neways, Otis, SSS Energietechnik, Stamer und Uniplast.

Über 20 000 Jugendliche der IG Metall in Köln

Jetzt die unbefristete Übernahme

Über 20 000 junge Metallerinnen und Metaller haben am 2. Oktober in Köln auf dem Jugend-Aktionstag der IG Metall für die Zukunft der jungen Generation und die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung demonstriert. Mit Engagement und Spaß beteiligten sich 25 Jugendliche aus Neunkirchen an der Demonstration.

"Laut und stark" - unter diesem Motto hat die IG Metall zum großen Jugend-Aktionstag mobilisiert. Dem Ruf der Gewerkschaft sind über 20 000 Jugendliche gefolgt. Sie fordern von der Politik, endlich ihre Themen auf die Tagesordnung zu setzten. Die jungen Metallerinnen und Metaller haben in der Rhein-Metropole aber auch ein deutliches Zeichen gesetzt für ihre zentrale Forderung: Für die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Dafür werde die IG Metall in der kommenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie im Frühjahr 2012 kämpfen.

Auf der Hauptkundgebung auf dem Kölner Neumarkt warf Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, Politik und Unternehmern vor, die Interessen der jungen Generation über Jahre hinweg ignoriert zu haben. "Wir wollen ein Zeichen setzen, damit die Politik endlich die Themen der Jungen Generation auf die politische Tagesordnung setzt, sie zur Chefsache macht", sagte Wetzel.

„Unser Jugendaktionstag war ein grandioses Erlebnis. Unser Tag in Köln war laut, stark und kreativ. Über 20.000 junge Menschen, die mit einer klaren Aussage solidarisch an einem Strang ziehen. Da können sich die Arbeitgeber in der nächsten Tarifrunde schon mal warm einpacken“, so Daniel Erbes, der Vorsitzender des IG Metall-Ortsjugendausschusses in Neunkirchen.

„Nur die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung schafft Sicherheit für die junge Generation“, bestätigt der IG Metall-Gewerkschaftssekretär Simon Geib. Demonstriert wurde in Köln auch für bessere Zukunftsperspektiven, für gerechte Chancen auf Bildung und Ausbildung, für sichere und gute Arbeit und für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die Übernahme nach der Ausbildung in einen sicheren Job ist eine Existenzfrage für Azubis. Aber nur etwa die Hälfte wird übernommen – und das meist nur befristet. Doch ohne Berufspraxis wird es prekär: 40 Prozent der unter 25-Jährigen hängen in Praktika, Leiharbeit oder Teilzeitjobs. 28 Prozent der unter 35-Jährigen hatte noch nie einen festen Job. Ein gutes, planbares Leben, gar mit Familie, ist so nicht drin. „Prekariat ist out, unbefristet Übernahme ist in. Dafür werden sich unsere Jugendlichen bei der nächsten Tarifrunde engagiert einsetzen", so Daniel Erbes.

Weitere Informationen und Bilder auf der Homepage der IG Metall.

Kein Verständnis für Schnellschüsse

Alltagsprobleme bei Hörmann Eckelhausen

Der Betriebsrat bei Hörmann Eckelhausen

Die aktuelle Produktion der 424 Beschäftigten beim Türenhersteller Hörmann in Eckelhausen läuft auf hohem Niveau. Der Betriebsrat berichtet von den alltäglichen Problemen, wie den Schnellschüssen der Geschäftsleitung, die auf wenig Verständnis bei den Beschäftigten stoßen.

„Aktuell läuft die Produktion von Spezialtüren auf sehr hohem Niveau. Über zu wenig Arbeit können wir nicht klagen. Auch die Wirtschaftskrise in 2009 haben wir ohne Blessuren gut überstanden“, bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Bernhard Zaums. 424 Beschäftigte, darunter fünf Auszubildende, arbeiten zurzeit bei der Hörmann KG in Eckelhausen. Allerdings haben nur 324 der 424 Beschäftigten eine sichere Arbeit. Denn zurzeit sind fast 100 Arbeitnehmer in einem befristeten Arbeitsverhältnis und über 70 Personen als Leiharbeitnehmer tätig. „Befristungen oder gar Leiharbeit haben wir als IG Metaller überhaupt nicht gerne“, versichert Bernhard Zaums. „Trotzdem wurden in letzter Zeit durch die überdurchschnittlichen Auftragseingänge auch sichere Arbeit aufgebaut. Wir hoffen sehr, dass sich diese Entwicklung des Personalaufbaus bei Hörmann fortsetzten wird.“

Die Hörmann KG ist ein Familienunternehmen. Zu den Produkten gehören Aluminium-, Feuer-, Rauchschutz- und Haustüren. In den 80er und 90er Jahren spezialisierte sich Hörmann an dem 1972 gebauten Standort auch in der Herstellung von Kunststofffenstern und Brandschutztüren aus Stahl. Die Schließung der Kunststofffertigung 1998 zog den ersten großen Stellenabbau bei Hörmann nach sich. Bernhard Zaums: „Durch die Sozialauswahl waren viele junge Arbeitnehmer betroffen. Das war damals eine Katastrophe für unsere ländliche Region mit wenigen Chancen auf einen Arbeitsplatz.“

Hörmann verlagerte 2006 die Stahlbrandschutztüren nach Polen. In Eckelhausen wurde danach die Produktion auf Alu-Brandschutztüren verändert. Die Umstellung brachte zwar keinen Stellenabbau mit sich, aber durch das neu eröffnete Bearbeitungszentrum wurden Arbeitsplätze nach Freisen verlagert. Im Jahr 2004 trat die Hörmann KG aus dem Arbeitgeberverband aus. Die Beschäftigten waren äußerst beunruhigt, denn ihre Tariflöhne standen auf dem Spiel. Einzelarbeitsverträge mit Tarifabweichungen waren das Ergebnis des Austritts. Die Nachwirkung des Tarifvertrages wurde allerdings durch Klage unserer Kollegen bis ans Bundesarbeitsgericht positiv entschieden. 2007 wurde ein Anerkennungstarifvertrag mit der IG Metall abgeschlossen, der bis zum 31. Dezember 2012 läuft. Hörmann Eckelhausen trat wieder in den Arbeitgeberverband ein. Im Tarifvertrag ist ein Kündigungsschutz, sowie die Begrenzung der Leiharbeit auf neun Prozent im Jahresdurchschnitt festgelegt. Gleichzeitig verpflichtete sich die Hörmann KG, mehrere Millionen Euro im Werk Eckelhausen zu investieren. 2010 wurde schon eine neue Pulverbeschichtungsanlage in Betrieb genommen. Und es gibt weitere Ausbaumaßnahmen der Hallen im Bereich von Fertigung und Versand.

Aber im Anerkennungstarifvertrag ist auch ein großer Beitrag der Arbeitnehmer festgelegt, wie Bernhard Zaums erläutert: „Die Arbeitszeit wurde von 35 Stunden auf 38 Stunden pro Woche erhöht, aber wir bekommen nur 36 Stunden bezahlt. Die Beschäftigten leisten eine professionelle Arbeit. Der Hörmann KG geht es finanziell gut, die Aufträge nehmen zu. Warum sollen die Arbeitnehmer zwei Stunden pro Woche umsonst arbeiten und die Investitionen zum Teil selbstfinanzieren? Diese Regelung darf so nicht über das Jahr 2012 fortgeführt werden. Dafür setzt sich der Betriebsrat gemeinsam mit unserer IG Metall ein. Wir wollen in der Zukunft wieder auf den tariflichen Standard zurückkehren.“

Und Bernhard Zaums kritisiert auch noch zwei weitere Punkte, die die Alltagsprobleme der Betriebsarbeit betreffen: „Zum Einen kommt es immer wieder zu Schnellschüssen der Geschäftsleitung, die bei den Beschäftigten auf wenig Verständnis stoßen. Wir sind jederzeit gesprächsbereit, aber wir vertreten auch konsequent die Arbeitnehmerinteressen. Nicht alles, was der Geschäftsleitung in den Sinn kommt, wird sofort umgesetzt. Zum Anderen muss der Betriebsrat teilweise Qualifizierungsmaßnahmen der Betriebsräte vor dem Arbeitsgericht durchsetzen. Das ist ein ungutes Vorgehen der Geschäftsleitung, das eher das Misstrauen bei den Beschäftigten verstärkt.“

Der Betriebsrat bei Hörmann Eckelhausen im Foto oben, von links nach rechts: Bernhard Zaums, Rüdiger Heck, Sandra Venneri, Roman Becker, Hartmut Heinke (Schwerbehindertenvertreter), Stefan Kohl, Slawomir Michalik, Frank Horras.

Veröffentlicht auf der Lokalseite Neunkirchen der metallzeitung 10/2011

Weitere Informationsveranstaltung der IG Metall vor Ort

Arbeit belastet immer mehr

Über die ständig wachsende Arbeitsbelastung und die konkrete Unterstützung der Betroffenen referiert Frau Böhrer-Paulus vom Integrationsfachdienst in Neunkirchen in einer weiteren Informationsveranstaltung der IG Metall vor Ort, die am 8. Oktober 2011 in der IG Metall Verwaltungsstelle Neunkirchen stattfinden wird.

„Der Arbeitsdruck in den Betrieben nimmt ständig zu. Nicht nur die körperlichen, auch die geistigen Einschränkungen, wie das Burn-Out-Syndrom, steigen unaufhörlich. Viele betroffene Beschäftigte leiden unter der zusätzlichen Arbeitsbelastung und wollen einen Antrag auf Schwerstbehinderung stellen. Aber wie geht das? Welche konkrete Hilfe wird den betroffenen Beschäftigten, aber auch den Arbeitgebern, angeboten?“, umschreibt Jörg Caspar, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen, die Themenstellung der Veranstaltung.

„Gute Arbeit heißt auch, dass Arbeit nicht krank macht“, so Jörg Caspar. „Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben mit der Veranstaltung eine praktische Hilfestellung vermitteln, wie sie mit solchen Fällen umgehen können und den Betroffenen Unterstützung anbieten können“. Frau Böhrer-Paulus, die beim Integrationsfachdienst in Neunkirchen arbeitet, hat große Erfahrung mit Fällen von Arbeitsbelastung und steht als Referentin des Vortrags zur Verfügung. Jörg Caspar: „Wir laden alle interessierten IG Metall Mitglieder, aber auch die Bürgerinnen und Bürger aus Neunkirchen zu dieser Informationsveranstaltung recht herzlich ein“.

Veranstaltungsdaten:

  • Thema: Die Aufgaben des Integrationsfachdienstes.
  • Welche Hilfestellungen kann der Integrationsfachdienst geben?
  • Referentin: Frau Böhrer-Paulus vom Integrationsfachdienst in Neunkirchen
  • Termin: Samstag, dem 8. Oktober 2011, 9.00 Uhr
  • IG Metall Verwaltungsstelle, Bürgermeister-Ludwig-Str. 8, Neunkirchen. Veranstaltungsende ca. 12.00 Uhr

Da wir einen Imbiss organisieren, bitten wir um Rückmeldung bis zum 5. Oktober 2011 über die Teilnahme bei der IG Metall Verwaltungsstelle Neunkirchen, Telefon: 06821 27037, Email: neunkirchen@igmetall.de.

Voller Erfolg des Jugendaktionstages

Die Jugend nicht untergehen lassen

Engagement und Spaß beim Jugendaktionstag

Am Freitag, dem 16.September 2011, fand ein großer Aktionstag der IG Metall Jugend aus Neunkirchen und Saarbrücken in Neunkirchen statt. Die Forderungen der Jugendlichen trafen auf breite Zustimmung der Bevölkerung. Am Freitagabend feierte die Metall Jugend eine Azubiparty.

„Das war ein rundum gelungener Aktionstag der IG Metall-Jugend“, unterstreicht IG Metall-Gewerkschaftssekretär Simon Geib. „Neben der abendlichen Azubiparty haben wir am 16. September die Forderungen der jungen Generation deutlich gemacht“, so Daniel Erbes vom IG Metall Ortsjugendausschuss, denn „die Probleme der Jugend sind bei Weitem nicht gelöst. Wir setzen uns ein für sichere und gute Arbeit, für gerechte Chancen auf Bildung und Ausbildung, auf soziale Sicherheit - und natürlich für die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung.“

Auch Jörg Caspar, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen, ist von den Aktionen der IG Metall Jugend begeistert: „Engagement und Spaß – wer als Jugendlicher in unserer Gewerkschaft ist, hat beides.“ Die IG Metall-Jugend ist der mit Abstand größte Jugendverband in Deutschland. Mit der bundesweiten Kampagne „Operation Übernahme“ engagieren sich die Jugendlichen für ihre sichere Zukunft. Die Metall-Jugend hat sich das Ziel gesetzt, dass die Azubis nach der Ausbildung in ein unbefristetes und festes Arbeitsverhältnis von den Betrieben übernommen werden. Simon Geib unterstreicht: „Wir wollen, dass die Jugendlichen in unserer Region bleiben. Deshalb muss der Start der Jugendlichen in das Berufsleben eine sichere und klare Perspektive haben. Dafür setzt sich unsere Gewerkschaft massiv ein.“

Der Jugendaktionstag in Neunkirchen begann um 16.00 Uhr auf dem Stummplatz in Neunkirchen. Unterschriften für die unbefristete Übernahme wurden gesammelt, Parolen gemalt und ein Straßentheater aufgeführt. Die Aktionen stießen auf breite Zustimmung der Bevölkerung, wie Simon Geib bestätigt: „Viele Passanten haben unsere Forderungen durch ihre Unterschrift bestätigt“. Am Freitagabend wurde die Aktion mit einer „Azubiparty“ bis spät in die Nacht fortgesetzt. Das Saarbrücker Discoschiff „LUV“ war angemietet worden, auf dem zwei DJs (Fantomas, Frank S) bei der Party auflegten. Als Live-Musik spielte die Band „Bujäh and the Rababers“. Mitglieder der IG Metall erhielten freien Eintritt und bekamen drei Freigetränke.

Delegiertenversammlung berät über den Gewerkschaftstag

Eine Woche Zukunkftsdebatte

Auf einer Delegiertenversammlung der IG Metall Neunkirchen am 15. September war der 22. Ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall das Hauptthema, der unter dem Motto „Kurswechsel: Gemeinsam für ein gutes Leben“ vom 9. bis 15. Oktober 2011 in Karlsruhe stattfinden wird.

Rund 500 Delegierte bestimmen auf dem Gewerkschaftstag in Karlsruhe die Weiterentwicklung der IG Metall in den kommenden vier Jahren. Jörg Piro, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei der Saarstahl AG, ist der Delegierte aus der Verwaltungsstelle Neunkirchen. „Ich war noch nie auf dem Gewerkschaftstag der IG Metall. Ich bin sehr gespannt darauf, als Delegierter die Interessen unserer Mitglieder in Neunkirchen gemeinsam mit den anderen Kolleginnen und Kollegen der IG Metall konstruktiv weiterzuentwickeln“, so Jörg Piro.

„Die klare Richtung unserer Zukunftsdebatte in Karlsruhe heißt Kurswechsel für Deutschland und Europa. Wir setzen uns gemeinsam für gutes Leben der Beschäftigten ein“, bestätigt Jörg Caspar, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen, in seiner Rede auf der Delegiertenversammlung. Die meisten der rund 500 Anträge auf dem Gewerkschaftstag befassen sich mit der Arbeitswelt. Sichere und qualifizierte Arbeit, Einkommen, die zum Leben reichen, Chancen für junge Leute, gesunde Arbeitsbedingungen und mehr Demokratie im Betrieb stehen bei den Metallern im Fokus. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt liegt darauf, wie die IG Metall noch stärker werden kann, um in möglichst vielen Betrieben gute Tarifverträge durchsetzen zu können.

„Die IG Metall ist mit über 2,2 Millionen Mitgliedern die größte Gewerkschaft in Deutschland und Europa. Unseren Einfluss wollen wir in der Gesellschaft und den Betrieben noch deutlich ausbauen“, stellt Jörg Caspar fest. Die Delegiertenversammlung in Neunkirchen setzte sich aber auch mit aktuellen Fragen vor Ort auseinander. „Die Mitglieder- und Beitragsentwicklung in der IG Metall Neunkirchen ist im Vergleich zum Vorjahr sehr positiv“, so Jörg Caspar. „Insgesamt läuft die wirtschaftliche Entwicklung in den regionalen Betrieben sehr gut. Der Aufschwung ist da, aber die Situation ist bei weitem noch nicht stabil. Das Kasino läuft praktisch ungehemmt weiter. Die Regierungen haben nicht den Mut, die Finanzmärkte an die Kette zu legen. Das gefährdet die wirtschaftliche Stabilität“, kritisiert Jörg Caspar.

Jugend-Aktionstag der IG Metall am 1. Oktober

Laut und stark in Köln!

Der Jugend-Aktionstag der IG Metall am 1. Oktober in Köln steht ganz unter dem Motto "Laut und stark". Die IG Metall setzt sich ein für die Zukunft und Perspektiven der jungen Generation - insbesondere für die unbefristete Übernahme. Gemeinsam wollen wir zeigen: wir sind viele, wir sind laut und wir sind stark.

Los geht es am 1. Oktober in Köln ab 12 Uhr: An drei Sammelplätzen in der Kölner Innenstadt finden die Auftaktveranstaltungen der sieben IG Metall-Bezirke statt. Im Anschluss ziehen die Teilnehmer der einzelnen Kundgebungen in einem "Sternmarsch" zum Kölner Neumarkt. Dort kommen sie zur zentralen Kundgebung zusammen und werden dafür sorgen, dass sie gehört und gesehen werden - und zwar so laut und stark wie möglich. Anschließend ziehen sie gemeinsam in einer großen Demonstration zur LANXESSarena.

Volles Programm, volle Wirkung

Und das Abendprogramm in der Arena ist vom Feinsten: Das Lineup besteht aus Culcha Candela, Mono und Nikitamann, Revolverheld, Jennifer Rostock und anderen. Die Moderation macht Caroline Kebekus. Die Tickets kosten 10 Euro inklusive Busfahrt und einem Aktions-T-Shirt und sind bei der IG Metall vor Ort zu beziehen - aber nur, solange der Vorrat reicht!

Aktiv werden, Druck machen

Bis Oktober ist es noch eine Weile hin. Aber Vorbereitungen laufen schon jetzt auf Hochtouren. Denn je mehr Jugendliche und junge Erwachsene dabei sind, desto unmissverständlicher fällt das gemeinsame Signal an Politik und Wirtschaft aus: Die junge Generation fordert gesellschaftliche Gerechtigkeit, berufliche Sicherheit und angemessene Perspektiven.

 

Bauknecht wird an ZF verkauft

Arbeitsplatzersatz bei Bauknecht

Mitgliederversammlung Bauknecht

Adieu für die „Weiße Ware“. Die 280 Beschäftigten bei Bauknecht in Neunkirchen-Wellesweiler stellen ab 2012 keine Geschirrspüler mehr her, sondern Getriebeteile. Das Traditionsunternehmen Bauknecht wird an den Autozulieferer ZF verkauft. Die Arbeitsplätze werden dadurch ersetzt.

„Die letzten zehn Jahre waren harte Zeiten für die Beschäftigten von Bauknecht“, bedauert der langjährige Montagemeister Jürgen Schäfer und erläutert: „Im Jahr 2000 waren wir noch rund 1300 Kolleginnen und Kollegen, die über drei Sozialpläne Schritt für Schritt abgebaut wurden. Aktuell sind noch rund 280 Beschäftigte am Standort Neunkirchen.“Seit 1989 gehört die Bauknecht Hausgeräte GmbH zum US-amerikanischen Konzern Whirlpool Cooperation.

„Die Beschäftigungsprobleme am Standort Neunkirchen wurden immer gravierender. Obwohl Whirlpool die führende Weltmarke ist, schläft die Konkurrenz nicht. Die ‚Geiz ist geil‘-Mentalität setzte sich mehr und mehr durch. Whirlpool verlegte nach und nach die Produktion an einen anderen Standort in Polen, wo der Konzern billiger produzieren konnte. Diese Beschäftigung konnten wir in Neunkirchen nicht auffangen, drei Sozialpläne waren die Folge“, fasst Stefan Biehl, Betriebsratsvorsitzender in Neunkirchen, die Unternehmenssituation zusammen. Stefan Biehl ist gleichzeitig auch Vorsitzender im Gesamtbetriebsrat der Bauknecht Hausgeräte GmbH und Mitglied im Europäischen Betriebsrat bei Whirlpool.

„Eine Aufgabe aus dem letzten Interessensausgleich und dem Sozialplan war es, sich um alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu kümmern. Denn die Beschäftigungslage bei Bauknecht spitzte sich immer weiter zu“, so Jörg Caspar, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Neunkirchen. Und die intensiven Bemühungen von Betriebsrat und IG Metall hatten Erfolg. Zuerst war ein Kaufinteressent der Solarbranche im Spiel. Und dann kam im Mai 2011 der Autozulieferer ZF, der unter anderem in Saarbrücken ein Werk mit rund 6000 Beschäftigten betreibt. Die Gespräche zwischen dem Verkäufer Bauknecht, dem Käufer ZF, dem Betriebsrat und der IG Metall kamen gut voran.

„Die Weiße Ware ist seit Jahren in schwierigem Fahrwasser. Der Autozulieferer ZF braucht dringend gutes Personal, um die Nachfrage seiner Kunden zu decken. Das war die Chance für die Bauknecht-Beschäftigten“, macht Jörg Caspar deutlich. Bei den Verhandlungen gab es eine ganze Reihe rechtlicher Probleme zu lösen. Stefan Biehl umschreibt die Gesprächssituation mit einem Witz: „Das Bürgerliche Gesetzbuch war meine ständige Bettlektüre.“

Konkret ist der Verkauf von Bauknecht an ZF, der am 30.Juni 2011 stattfand, kein klassischer Betriebsübergang. De Facto werden die Vertragsregelungen aber so gestaltet, als ob es ein Betriebsübergang wäre. Das ist vor allem für die Beschäftigten sehr wichtig, die freiwillig von Bauknecht zu ZF wechseln.„ZF tritt in alle Rechte und Pflichten von Bauknecht ein. Die Beschäftigungszeiten von Bauknecht werden auf ZF übergehen. Das bezieht sich auf alle zeitlich bezogenen Regelungen, wie zum Beispiel dem Weihnachtsgeld“, beschreibt Stefan Biehl.„Zur Sicherheit der Bauknecht Beschäftigten wird zwischen Bauknecht, ZF und der IG Metall ein Zuordnungs- und Überleitungstarifvertrag abgeschlossen“ so Jörg Caspar. „Die Beschäftigten, die zu ZF gehen, unterliegen der Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie im Saarland und sie erhalten gleichwertige oder höherwertige Entgeltbedingungen.“

Am 6.Juli fand eine IG Metall-Mitgliederversammlung statt. Betriebsrat und IG Metall informierten über den aktuellen Stand der Dinge. „Ohne den engagierten Einsatz des Betriebsrates, von Stefan Biehl und unserer Gewerkschaft hätten wir diese Perspektive nicht bekommen. Unser IG Metall-Organisationsgrad bei Bauknecht ist sehr hoch. Wer stark ist, kann gemeinsam auch Druck machen. Die Mitglieder haben diesen Erfolg durchgesetzt“, bestätigen Angelika Raade und Karla Müller.

Für die Beschäftigten von Bauknecht sind die Ersatzarbeitsplätze bei ZF eine große Zukunftschance, an die sie mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge drangehen. „Trotz bitterer Zeiten bei Bauknecht waren Kollegialität und Solidarität enorm. Wir hoffen sehr, dass das auch bei ZF so ist“, so Angelika Raade. „Wer seit langem in der Weißen Ware gearbeitet hat, dem fällt die Umstellung auf die Autobranche sicher nicht leicht. Aber die positive Zustimmung in der Belegschaft überwiegt eindeutig“, stellt Karla Müller fest. Auch der Jugendvertreter Björn-Daniel Schlegel unterstreicht, dass er trotz seiner jungen Jahre nur raten kann, IG Metall-Mitglied zu werden: „Ohne die Kompetenz der IG Metall hätten wir bei Bauknecht in Neunkirchen alt ausgesehen.“

Michael Knopp: Ansprechpartner bei Betriebsratsgründungen

Engagierte Unterstützung

Michael Knopp

Die IG Metall Neunkirchen hat Verstärkung bekommen. Der Kollege Michael Knopp ist seit dem 1.Januar 2011 für drei Jahre als Projektsekretär beschäftigt.

Seine Projektaufgaben, die in Kooperation mit der IG Metall Homburg-Saarpfalz durchgeführt werden, haben drei Schwerpunkte. Zum Einen kümmert sich Michael Knopp um Betriebsratsgründungen. Demokratie im Betrieb muss gefördert und ausgebaut werden. Zum Zweiten sollen die Funktionärsstrukturen in bisher gewerkschaftlich unterrepräsentierten Betrieben gestärkt werden. Die dort Beschäftigten sollen die IG Metall als eine starke Partnerin kennen und schätzen lernen. Zum Dritten sorgt sich Michael Knopp um die Erschließungsarbeit im Kfz-Handwerk.

Der Kollege Michael Knopp resümiert sein erstes halbes Jahr der Projekttätigkeit: „Man kann einen Betriebsrat nicht von oben draufsetzen. Die Gründung eines Betriebsrates muss durch die Beschäftigten gewollt werden. Wichtig ist es zuerst sensible Kontakte zu Kollegen in einer betriebsratslosen Firma herzustellen und zweitens die Kollegen umfassend zu beraten. Inzwischen gibt es ernstzunehmende Kontakte in die Betriebe. Im Bereich der Verwaltungsstelle Homburg-Saarpfalz wurde schon ein Betriebsrat bei der Firma UniPlast gegründet.“

Wenn ihr Freunde, Bekannte oder Kollegen und Kolleginnen kennt, die in Betrieben ohne Betriebsrat beschäftigt sind, informiert diese und verweist sie auf die IG Metall Neunkirchen. Alle Mitglieder sind recht herzlich eingeladen, sich am Erfolg des Projektes zu beteiligen.

Tarifabschluss bei Schmidt Küchen

Traumhaftes Tarifergebnis bei Schmidt Küchen in Türkismühle erzielt.

„Wir haben ein sehr gutes Ergebnis bei den Ta-rifverhandlungen zum Haustarifvertrag bei Schmidt Küchen erreicht. Es gibt mehr Geld für alle Beschäftigten“, freuen sich alle Mitglieder der Tarifkommission.

„Wir sind mit einer Forderung von 110,- Euro plus in die Ver-handlungen hineingegangen und sind mit dem Ergebnis von 100,- im Ecklohn/Gehalt rausgekommen. Das ist sehr gut“, erläutert Sabine Gordner, Mitglied der Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzende. Tarifkommissionsmitglied Frank Judenhuth bestätigt: „Das Verhandlungsklima war insgesamt sehr angenehm. Es wurde sehr sachlich diskutiert und wir kamen schnell zu dem vorliegenden Ergebnis.“ „Das aktuelle Verhandlungsergebnis ist deutlich besser als das der letzten Tarifverhandlung, die noch durch die Weltwirtschaftskrise geprägt war. Nach der Kurzarbeit in der Krisenzeit ist jetzt wieder Normalproduktion bei Schmidt Küchen angesagt. Deshalb konnten wir auch mit größeren Forderungen in die Tarifverhandlungen gehen“, stellt IG Metall Sekretär und Tarifkommissionsmitglied Simon Geib fest. Mehr Geld gibt es ab dem 1. Juli 2011. Der Haustarifvertrag hat eine Laufzeit von zwölf Monaten und endet am 30. Juni 2012.

Kein Platz für Rassismus

Startschuß für Respekt!

Mit einer Auftaktveranstaltung hat die IG Metall die Kooperation mit der Initiative "Respekt! Kein Platz für Rassismus" gestartet. Die Initiative macht sich seit einem Jahr stark für einen respektvollen Umgang miteinander, in dem Intoleranz, Rassismus und Diskriminierung keinen Platz haben. Mit der IG Metall geht die Initiative in eine neue Runde und setzt sich für mehr Respekt in den Betrieben ein.

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